VDM Pressemeldung: IFAT 2026: Stahl- und Metallrecycling im Zukunftsdialog: Mut, Zusammenhalt und bessere Rahmenbedingungen

8. Mai 2026

Die IFAT in München war in diesem Jahr nicht nur Leistungsschau — sie war auch Forum. Auf der Orange Stage diskutierten Branchenvertreter, Wissenschaft und Zukunftsforschung über die Perspektiven des Stahl- und Metallrecyclings: zwischen Klimaambition, Regulierungsdruck und offenen Märkten. Die Botschaft war klar, und sie kam von allen Seiten: Die Branche ist bereit. Die Politik muss es noch werden.

„In der Debatte wird häufig darüber gesprochen, was künftig neu geschehen muss“, sagte Murat Bayram, Präsident des VDM. „Wir sprechen viel zu wenig über das, was bereits da ist.“ Sein Verweis auf rund 10.000 Unternehmen der Kreislaufwirtschaft in Deutschland mit etwa 300.000 Arbeitsplätzen war kein Selbstlob — sondern eine Korrektur: Recyclingbetriebe sind keine Problemfälle, die reguliert werden müssen. Sie sind Teil der Lösung, schon heute.

Andreas Schwenter, Präsident der BDSV, legte nach: Recyclinganlagen seien keine Belastung für die Umwelt, sondern Umweltschutzanlagen. Dort entstünden heimische Rohstoffe, dort werde CO₂ vermieden, dort liege die Grundlage für Green Steel. Den Ruf nach Exportverboten oder pauschalen Handelsschranken wies er zurück: Solche Maßnahmen entzögen der Branche genau die Mittel, die sie für Investitionen und Innovation brauche.

Wissenschaftliche Rückendeckung kam von Prof. Dr. Frank Pothen, der die ökologische Dimension unterstrich: Jede Tonne recycelter Stahlschrott vermeidet erhebliche CO₂-Mengen — hochgerechnet auf den europäischen Schrotteinsatz ergibt sich ein Einsparpotenzial von vielen Millionen Tonnen jährlich. Stahl- und Metallrecycling, so Pothen, sei keine Randnotiz der Klimapolitik, sondern eine ihrer tragenden Säulen. Gleichzeitig warnte er vor der Illusion, Handelsbarrieren könnten die Branche schützen: Europa sei sowohl Exporteur als auch Importeur von Metallschrotten. Abschottung treffe beide Seiten. „Handelsbarrieren sind ein Spiel mit dem Feuer“, sagte Pothen.

Das gilt auch für Bürokratie. Nicht das Prinzip regelgebundenen Verwaltungshandelns stehe infrage, räumte Pothen ein — aber ein System, das immer kleinteiliger und schwerer handhabbar werde, binde Ressourcen, die anderswo gebraucht werden. Der Kulturwandel, den er forderte, klingt schlicht, ist es aber nicht: weg vom Misstrauen, hin zu Ermöglichung.

Zukunftsforscherin Carina Stöttner skizzierte drei Szenarien für die europäische Industrie. Im Szenario „Deep Tech Deutschland“ arbeiten Staat, Wirtschaft und Wissenschaft eng zusammen — mit Chancen für automatisierte Sortierung, intelligente Materialerkennung und neue Märkte für hochwertige Recyclingrohstoffe. Ein zweites Szenario, in dem Produktion ins Ausland abwandert, würde die Branche schrittweise aushöhlen. Das dritte — ein protektionistisches Europa — klinge nach Stärke, bringe aber Wohlstandsverluste und technologische Schwächung. Große Zukunftstechnologien entstehen nur in internationaler Zusammenarbeit, betonte Stöttner. Deglobalisierung sei in der Praxis keine Option.

Konsequenz für die Branche: freie Märkte, Investitionssicherheit, Technologieoffenheit — und eine offensivere Kommunikation der eigenen Leistung. Recyclingunternehmen sichern Rohstoffe, schützen das Klima, ermöglichen industrielle Transformation. Dieses Selbstverständnis müsse stärker in Genehmigungsverfahren und politische Debatten eingebracht werden.

Ein positives Signal gab es zum Abschluss: Der geplante Zusammenschluss von BDSV und VDM zur Circular Metal Association wurde von Schwenter und Bayram als strategische Notwendigkeit beschrieben. Die Branche bündelt ihre Kräfte — und Bayrams abschließender Appell klang dazu passend: Mut behalten, Zusammenhalt bewahren, Menschlichkeit nicht verlieren. Die Herausforderungen seien groß. Aber sie ließen sich nur gemeinsam bewältigen.
Fotoquellen und Text: Meyer/BDSV

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