Europas Metallrecycling-Unternehmen drohen wichtige Absatzmärkte in Asien und Nordafrika zu verlieren. Am 18. September 2026 hat die EU-Kommission den Entwurf einer Länderliste zur Abfallverbringungsverordnung vorgelegt. Sie legt fest, in welche Nicht-OECD-Staaten recycelter Stahl und recycelte NE-Metalle ab dem 21. Mai 2027 noch exportiert werden dürfen. Auf der Liste stehen nur einige EU-Beitrittskandidaten. Indien, Malaysia, Thailand, Vietnam, Ägypten und weitere wichtige Abnehmer fehlen. Hintergrund ist, dass die Kommission an recycelte Metalle einen strengeren Maßstab anlegt als an alle anderen Abfallarten. Die Circular Metal Association (CMA) sieht darin ein faktisches Exportverbot.
„Wir teilen das Ziel, Europas Rohstoffversorgung zu sichern. Ein Exportverbot ist dafür aber der falsche Weg“, sagt CMA-Präsident Murat Bayram. „Es schwächt genau die Unternehmen, die Europas Kreislaufwirtschaft jeden Tag möglich machen.“ In einem Positionspapier legt die CMA in acht Gründen dar, warum ein Exportverbot Europa nicht stärker macht.
01 Die Kommission legt einen Maßstab an, den das Gesetz nicht kennt
Die Abfallverbringungsverordnung sieht für alle nicht gefährlichen Abfälle dasselbe Prüfverfahren vor. Nur für recycelte Metalle legt die Kommission einen Sondermaßstab an und begründet ihn mit Umweltrisiken bei der Verarbeitung. Die gibt es aber genauso beim Recycling von Papier, Kunststoffen oder Textilien. Damit benachteiligt die Kommission eine einzelne Stoffgruppe und überschreitet ihren rechtlichen Rahmen.
02 Ein Exportverbot schafft keine Nachfrage
Bei Aluminium etwa stehen rund 20 Prozent Export rund 10 Prozent Import gegenüber, gemessen am europäischen Schrottaufkommen. Netto fließt also nur ein kleiner Teil ab – die Mengen, die der europäische Markt nicht aufnimmt. Ein Verbot kann sie in Europa halten, zusätzliche Nachfrage schafft es nicht. Die Folge sind Überschüsse statt Wertschöpfung.
03 Ein Exportverbot führt zu weniger Recycling, nicht zu mehr
Schon heute fehlen für bestimmte Qualitäten die Abnehmer in Europa. Automobilindustrie und Maschinenbau, zwei der wichtigsten Verwender recycelter Metalle, stehen unter erheblichem Druck und fragen entsprechend weniger nach. Bislang gehen diese Mengen in den Export. Fällt auch der Export weg, sinken die Materialwerte. Ab einem bestimmten Punkt lohnt sich das Sammeln, Sortieren und Aufbereiten nicht mehr. Dann bleibt das Material ungenutzt, statt in den Kreislauf zurückzukehren. Weniger Export heißt auf Dauer weniger Recycling.
04 Getroffen wird der Mittelstand
Die überwiegend mittelständischen Recyclingunternehmen finanzieren aus ihren Erträgen Shredder, Sensortechnik und Sortieranlagen. Was heute nicht investiert wird, fehlt morgen an Materialqualität.
05 Recycler und Industrie brauchen einander
Ein Exportverbot soll der Industrie helfen – und schwächt dafür die Recycler. Doch ohne starke Recycler fehlt der Industrie genau das Material, das sie braucht. Am Ende verlieren beide.
06 Rohstoffsicherheit entsteht nicht durch Abschottung
Sie entsteht durch eine starke Recyclingwirtschaft, eine wettbewerbsfähige Industrie und funktionierende internationale Märkte. Gerade bei Metallen hängen Kreislaufwirtschaft und Welthandel eng zusammen. Recycelte Metalle werden lokal gesammelt und regional aufbereitet, gehandelt werden sie international. Wer sie über Exportbeschränkungen in Europa halten will, greift deshalb in das Geschäftsmodell einer ganzen Industrie ein.
07 Europa verliert an Glaubwürdigkeit
Die EU hat vor der WTO gegen Exportbeschränkungen anderer Staaten geklagt, etwa gegen Indonesiens Exportverbot für Nickelerz. Wer jetzt selbst beschränkt, was er bei anderen kritisiert, liefert ihnen die Begründung für eigene Barrieren – zulasten einer europäischen Industrie, die auf offene Rohstoffmärkte angewiesen ist.
08 Es gibt bessere Hebel als Handelsbarrieren
Europas Problem ist nicht zu wenig recyceltes Metall, sondern eine zu geringe Nachfrage. Ansetzen muss die Politik deshalb bei Bürokratie, Investitionsbedingungen, Energiepreisen und Anreizen für den Einsatz recycelter Rohstoffe. Zudem sollte sie den direkten Austausch mit der Recyclingbranche suchen, damit ihre Entscheidungen die tatsächlichen Materialströme und Absatzmöglichkeiten berücksichtigen.
Die CMA fordert die Kommission auf, den Sondermaßstab für Metalle zu streichen. Hält sie daran fest, sollen Rat und Parlament Einwände gegen den Rechtsakt erheben. Darüber hinaus schlägt die CMA fünf Maßnahmen vor, die Europas Kreislaufwirtschaft wirksamer stärken als jede Handelsbarriere – von gezielten Anreizen für den Einsatz recycelter Metalle über wettbewerbsfähige Energiepreise bis zu schnelleren Genehmigungen und weniger Bürokratie. „Recycler brauchen eine starke Industrie – aber eine starke Industrie braucht genauso starke Recycler“, sagt Bayram. „Europa sollte Kreisläufe schließen, keine Märkte.“
Das vollständige Positionspapier steht unter https://www.vdm.berlin/medienwelt/positionen-stellungnahmen/ zum Download bereit.
Über die Circular Metal Association (CMA)
Die Circular Metal Association ist Europas führender Branchenverband für Stahl- und Metallrecycling. Annähernd 900 Mitgliedsunternehmen decken das gesamte Spektrum ab: von der Sammlung und Aufbereitung über den Handel bis zur Belieferung der metall- und stahlverarbeitenden Industrie. Rund 90 Prozent der am Markt tätigen Branchenunternehmen sind in der CMA organisiert. Ihre Mitglieder liefern die recycelten Rohstoffe, mit denen die europäische Industrie arbeitet – und sind damit unverzichtbarer Teil der europäischen Rohstoffindustrie. Entstanden ist die CMA aus der Fusion der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) und des Verbands Deutscher Metallhändler (VDM).
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Ansprechpartner:
Stephan Wacker | Head of Politics and Communication | Circular Metal Association (CMA)
Mail: stephan.wacker@cma.eu

